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    Offener Brief an den Bundesrat

    7. April 2020

    Bern, 7. April 2020

    Kein Sonderstatus für den Flugverkehr!

    Sehr geehrte Bundesrätinnen und Bundesräte

    Die Schweiz steht wegen der Corona-Krise still und die Flugzeuge bleiben weitgehend am Boden. Fluggesellschaften wie die Swiss und EasyJet bitten deshalb um Rettung durch Steuergelder. Jedoch geniesst der internationale Flugverkehr im Vergleich zu anderen Sektoren bereits sehr hohe Steuerprivilegien, da er weder Treibstoffsteuer noch Mehrwertsteuer zahlt. Dies ist einer der Gründe, warum z.B. die Swiss in den letzten 15 Jahren 5 Mia. Franken Gewinn1 erzielen konnte. Trotzdem verlangt die Swiss jetzt Unterstützung vom Bund.

    Der Luftverkehr ist schon heute für 19% des menschengemachten Klimaeffekts in der Schweiz verantwortlich. Gemäss prä-Corona Wachstumsprognosen wird die Luftfahrt bis 2030 der grösste Treiber des Klimaeffekts in der Schweiz sein, wenn keine Massnahmen ergriffen werden2. Die Luftfahrtindustrie hat sich in den letzten Jahren nachdrücklich gewehrt, einen sinnvollen Beitrag zu den globalen Emissionsreduktionszielen zu leisten. Denn dies würde Massnahmen zur deutlichen Reduktion des Umfangs der Luftfahrt erfordern.

    Rettungsaktionen dürfen keinesfalls dazu führen, ein weiteres ungebremstes Wachstum des Flugverkehrs zu unterstützen. Stattdessen muss die Flugbranche auf ein klimaverträgliches Niveau zurückgebaut werden. Deshalb fordern wir Folgendes:

    • Keine neue Bevorzugung der Flugbranche: Kulturschaffende, Selbständige, KMUs – alle sind von der Corona-Krise betroffen und erhalten bisher maximal Staatshilfe in Form von Lohnfortzahlung oder Überbrückungskrediten. Der Luftverkehr, der von der Kerosin- und Mehrwertsteuer befreit ist, darf keine neue Vorzugsbehandlung gegenüber anderen Wirtschaftsbereichen erhalten. Jegliche staatliche Unterstützung sollte den Schutz der Arbeitnehmenden und des Klimas in den Vordergrund stellen und nicht dazu verwendet werden, das Wachstum der Luftfahrt zu fördern. Da der Flugverkehr enorm klimaschädlich ist, muss staatliche Hilfe für die Luftfahrt an wirksame und verpflichtende klimapolitische Bedingungen geknüpft werden:
    • Reduktion für den Klimaschutz: Der Flugverkehr hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Damit Netto-Null-CO2 und somit das 1.5 Grad-Ziel erreicht werden können, braucht es umgehend eine massive Reduktion der Treibhausgasemissionen aus dem Flugverkehr3. Die Emissionsreduktionen müssen direkt im Luftfahrtsektor erfolgen und dürfen nicht auf Kompensationssystemen, dem Handel mit Zertifikaten oder auf Massnahmen mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Menschenrechte beruhen.
    • Einführung einer Kerosinsteuer: Der Flugverkehr verursacht in der Schweiz jährlich externe Kosten in Form von Klima- und Gesundheitsschäden von über 1 Mia. Franken, die zurzeit von der Bevölkerung getragen werden4. Zusätzlich profitiert die Luftfahrt von der Steuerbefreiung für Kerosin, wodurch der Schweizer Staatskasse jährlich rund 1.7 Mia. Franken entgehen5. Wer in schwierigen Zeiten den Staat um Hilfe bittet, sollte in guten Zeiten auch Steuern zahlen. Der Bundesrat soll in Zusammenarbeit mit den anderen Staaten die Privilegien für die Flugbranche abschaffen und umgehend eine Kerosinsteuer einführen.
    • Verlagerung auf klimafreundlichere Transportmittel: Rund 80% der Flugdestinationen aus der Schweiz liegen in Europa und können mit dem klimafreundlicheren Zug erreicht werden6. Staatsgelder sollen deshalb auch in den Ausbau des internationalen Bahn- und Nachtzugverkehrs investiert werden.

    1 Tribune de Genève, Le grounding a commencé, Berne doit sauver Swiss, 25.03.2020
    2 www.flugfacts.ch
    3 IPCC special report – Global Warming of 1.5 ºC
    4 ARE, Kosten und Nutzen des Verkehrs
    5 EZV, Lieferungen von Flugtreibstoffen 2019 (Mineralölsteuer in Höhe von CHF 739.50/1000 L)
    6 BFS, Luftverkehr: Linien- und Charterverkehr, Jahresresultate 2019

     

    Die unterzeichnenden Bewegungen, Organisationen und Parteien fordern Sie, die Bundesrätinnen und Bundesräte, auf, die oben genannten Massnahmen zu unterstützen, voranzutreiben und aktiv zu kommunizieren.

    Freundliche Grüsse

    ACG Association Climat Genève
    AEFU Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz
    AgF Aktion gegen Fluglärm Altenrhein
    ARAG Association des Riverains de l’Aéroport de Genève
    ATCR-AIG Association transfrontalière des communes riveraines de l’aéroport internationale de Genève
    CARPE Coordination régionale pour un aéroport urbain, respectueux de la population et de l’environnement
    Casafair
    Christliche Klima Aktion
    DVFS Dachverband Fluglärmschutz
    Eltern fürs Klima
    Ensemble à Gauche
    Extinction Rebellion Schweiz
    Fair in Air
    FLS Fluglärmsolidarität
    Flugstreik
    Fossil Free
    Greenpeace Schweiz
    Grüne Schweiz
    Junge Evangelische Volkspartei
    Junge Grüne
    Jungsozialist*innen JUSO Schweiz
    Klima-Allianz Schweiz
    Klima-Grosseltern Schweiz
    KlimaSeniorinnen
    Klimastreik Schweiz
    Klimastadt Zürich
    KLUG Koalition Luftverkehr Umwelt und Gesundheit
    Mountain Wilderness Schweiz
    myblueplanet
    Noe21
    Ökostadt Basel
    oeku Kirche und Umwelt
    Pro Natura
    Protect Our Winters Schweiz
    Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Basel Mülhausen
    SES Schweizerische Energie-Stiftung
    SP Schweiz
    SSF Schweizerischer Schutzverband gegen Flugemissionen
    Stiftung gegen Fluglärm
    umverkehR
    VCS Verkehrs-Club der Schweiz
    VeFeF Vereinigung für erträglichen Flugverkehr
    VFSN Verein Flugschneise Süd – NEIN
    VgF Vereinigung gegen schädliche Auswirkungen des Flugverkehrs
    Wettstein21
    WWF Schweiz

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